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Naturheilkunde & Schulmedizin – Miteinander oder Gegeneinander?

„…sie konnten zunander nicht kommen, das Wasser war viel zu tief…“. Dieser Vers aus dem bekannten Lied über die zwei Königskinder beschreibt deutlich die derzeitige Situation. Dabei hat der frühere Dekan der medizin. Fakultät Jena vor einigen Jahren öffentlich erklärt, dass Naturheilkunde und Schulmedizin Zwillinge wären, also engstens miteinander verwandt, ähnlich und fast untrennbar, wie zwei Seiten einer Medaille. Und trotzdem gibt es Rivalitäten, Abneigung, Kämpfe z. T. um die nackte Existenz (viele Firmen mit Naturheilmitteln mussten schließen) und Verleumdung.

Dabei sind die Fronten eindeutig zu definieren. Weitaus die meisten Menschen möchten schulmedizinisch behandelt werden. Sie lassen sich impfen, sie schlucken Medikamente, lassen sich operieren und bevorzugen Gesundheitsleistungen der Schulmedizin. Die meisten Menschen schätzen das derzeitige medizinische System, in das sie ihre Krankenkassenbeiträge einzahlen und dafür ohne zusätzliche Kosten eine meist ausreichende Behandlung ihrer Beschwerden erhalten. So kann man von einer ausgesprochenen Zufriedenheit der Bevölkerung mit unserem derzeitigen medizinischen System ausgehen. Nur einige wenige Prozent dieser Bevölkerung sind gelegentlich mit diesem System unzufrieden.

Praxisbeispiele

Pat. Nr. 1:

Vor einigen Wochen hat sich der junge Mann einen großen Holzsplitter in die linke Hand eingezogen. Dieser wurde operativ entfernt. Aber nach kurzer Zeit trat eine Phlegmone der Innenhand auf (bakterielle Entzündung des Muskel- und Bindegewebes), die hochgefährlich und als lokale Blutvergiftung aufzufassen ist. Meistens ist sie auf Streptokokken zurückzuführen. In diesem Falle war trotz hochdosierter Antibiotika und drei Nachoperationen keine Besserung eingetreten. Die Hand war stark geschwollen, nur wenig beweglich und der Patient hatte erhebliche Schmerzen. Die Ärzte standen vor einem Rätsel und wussten keine weitere Alternative mehr.

Wir fanden bei dem jungen Mann eine erhebliche Belastung des Schlafplatzes durch Wasseradern sowie eine deutliche Nahrungsmittelallergie. Wir führten zweimal eine Blutegeltherapie durch, veranlassten den Patienten, seinen Schlafplatz zu wechseln und seine Ernährung entsprechend dem Allergietest zu ändern. Nach zwei Wochen bereits war die Störung behoben und das vorher therapieresistente Problem gelöst.

Pat. Nr. 2:

Ein 50-jähriger Handwerker kam mit Schulterschmerzen in unsere Therapie. Er schlug sich schon seit einigen Jahren mit diesem Problem herum und hatte bereits mehrere Orthopäden konsultiert. Dementsprechend hatte er auch eine Menge Untersuchungen und Behandlungen über sich ergehen lassen. Zuletzt hatte man ihm zu einer künstlichen Schulter (sog. Endoprothese) geraten, weil er vor Schmerzen seinen Arm kaum noch bewegen und deswegen auch nur noch ganz schlecht arbeiten und auch schlafen konnte. Er wollte nur noch einen „letzten Versuch“ starten, um einem derartigen gravierenden Eingriff zu entgehen. Dabei war er äußerst skeptisch, ob die „Globuli“ ihm bei seinem schweren Leiden überhaupt helfen könnten (er verwechselte nämlich Naturheilkunde mit homöopathischer Therapie). Wir setzen einmal Blutegel an und konnten seine Schmerzen um ca. 60% reduzieren. Dadurch konnte er wieder viel besser schlafen und war nun von dieser Therapieart überzeugt. Die Blutegeltherapie wurde noch mehrfach wiederholt und der Patient gleichzeitig zu einer Gesamtbehandlung mit Allergietherapie, Fußreflexzonentherapie und Nahrungsumstellung „gezwungen“. Zwar ist die Störung noch nicht völlig ausgeheilt, weil ein bodenständiger Handwerker natürlich nicht so ohne weiteres seinen Lebensstil umstellen kann. Aber von einer Operation oder gar von einer Prothese ist seit langem keine Rede mehr.

Was verhindert nun eine Zusammenarbeit von Schulmedizin und Naturheilkunde?

Denn wie auch in diesen beiden Beispielen sichtbar, wäre eine Kombination beider Medizinrichtungen für die Patienten von großem Vorteil und häufig für die Versichertengemeinschaft wesentlich preiswerter (Die Krankenkassen verwalten nur die Gelder. Die Kassenfunktionäre sind an der Gesundheit des einzelnen Patienten überhaupt nicht interessiert). Der wesentliche Unterschied liegt in einer völlig andersartigen Denkweise.

Der Schulmediziner sieht die Beschwerden: die Schulter, die Hand, den Bluthochdruck, den Diabetes usw. Sein Blick ist auf das konkrete Problem ausgerichtet. Das ist die Stelle, die dem Patienten weh tut, und weswegen er überhaupt zu der Behandlung kommt. Deswegen ist er vor allem an der schnellstmöglichen Beseitigung dieser Beschwerden interessiert. Die Ursache kann eine Grippe sein, eine Migräne, ein Unfall, ein Heuschnupfen und vieles andere mehr. In der Schulmedizin existieren ca. 40.000 Krankheiten, die diagnostiziert und behandelt werden können. Und es gibt überragende Ergebnisse, wie wir sie immer wieder beobachten können. Der Nachbar kann mit der neuen Hüfte jetzt wieder beschwerdefrei gehen. Ein anderer nach der Operation eines grauen Stars wieder gut sehen, der Diabetes ist gut eingestellt, der Blutdruck wieder im normalen Bereich usw. usw.

Bei einer derartigen Erfolgsserie kann man kaum über gelegentliche Mängel ernsthaft diskutieren. Und trotzdem gibt es diese, nicht nur gelegentlich, sondern millionenfach:

Unser Medizinsystem wird immer teurer. Trotzdem wird die Gesundheit der Patienten nicht besser. Gesunde 50-jährige sind selten. Fast alle haben in dem Alter schon Störungen, auch wenn sie noch nicht ernsthaft erkrankt sind.
Die Zahl der Übergewichtigen nimmt ständig zu. Das betrifft vor allem auch Kinder, die z. T. mit 10 Jahren schon ausgeprägte Kalkablagerungen in den Blutgefäßen haben. Altersdiabetes oder Herzinfarkte in der frühen Jugend sind deutlich häufiger geworden.
Die Zahl der Krebskranken wächst pro Jahr um über 60.000. Dabei sterben heute noch über 40 % der Krebskranken an ihrer Erkrankung, oft unter unmenschlichen Qualen. Die Heilungsmöglichkeiten bei diesem schrecklichen Krankheitsbild sind dagegen in den letzten Jahren nur geringgradig gestiegen. Dabei ist bekannt, dass nur maximal 5 % der Krebspatienten durch Chemotherapie geheilt werden können. Trotzdem wird fast allen, z. T. unter Drohungen, zu einer derartigen Therapie geraten.
Die Zahl der Kinder mit insulinpflichtigem Diabetes Typ I nimmt ständig zu, jährlich um 3 – 4 %. Die Zahl der autistischen Kinder steigt, die Zahl der Dementen, der Parkinsonkranken, der MS-Kranken, der Alzheimer-Patienten usw. usw. Die Liste ließe sich noch lange fortführen. Und eine Besserung ist nicht in Sicht.
Aber vor einer Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung und nach ernsthaften Verbesserungen des Gesundheitssystems verschließen die meisten Menschen ihre Augen, nicht nur die Ärzte, die Kassenfunktionäre, die Politiker, die Vertreter der Pharmaindustrie. Sondern vor allem die Patienten selbst. Es lebt sich doch so schön mit einem künstlichen Knie, mit einem Stent im Herzkranzgefäß, mit den vielen Tabletten gegen Bluthochdruck, Diabetes, Rheumaschmerzen, Depressionen u. a. Wir können doch damit zufrieden sein. Denn wir leben mit der Schulmedizin relativ beschwerdefrei. Nur gesund sind wir nicht mehr im strengen Wortsinn, sondern nur noch beschwerdeärmer. Wir haben uns mit unseren Beschwerden abgefunden, denken an das zunehmende Alter, an unsere Gene und sind im Allgemeinen zufrieden. Unser Ehrgeiz, gesund alt zu werden, hat nachgelassen. Wir haben Kompromisse geschlossen mit unserer nachlassenden Gesundheit und finden uns damit ab.

Was soll die Naturheilkunde noch Besonderes bringen?

Diese Frage ist nur für die wenigen Prozent der Bevölkerung interessant, die sich mit ihrer immer weiter abnehmenden Gesundheit eben nicht abfinden wollen. Allmählich werden es immer mehr. Diese Menschen suchen einen neuen Weg. Meist haben sie schon von ganzen Gruppen gehört oder gelesen, die im hohen Alter von über 90 oder 100 Jahren noch weitgehend gesund und leistungsfähig waren. In meinem Buch „Naturheilkunde für Jeden“, Verlag Via Nova, 2010, habe ich eine ganze Reihe derartiger Veröffentlichungen zitiert. Es gibt also ganze Menschengruppen, z. T. Völker (z. B. Hunza, Kaukasier, Indianer), bei denen diese unglaubliche Gesundheit beobachtet wurde. Also muss es wohl auch für den modernen Menschen einen Weg geben, gesund und völlig frei von allen Krankheiten zu sein.

Mit mehr oder weniger Einsatz, mit viel Skepsis, aber oft auch sehr viel Hoffnung, machen sich diese Menschen auf den Weg zu einer anderen Medizin. So landen sie bei der Naturheilkunde. Gelegentlich werden sie enttäuscht, weil ihnen auch dort nicht geholfen wurde. Dazu mussten sie die Diagnostik und die Therapie auch noch selbst bezahlen. Dann wenden sie sich wieder der Schulmedizin mit ihren häufigen Nebenwirkungen zu und nehmen die damit verbundenen Nebenwirkungen in Kauf. Sie haben sich mit ihrem Schicksal als nur noch Teilgesunde abgefunden.

Andere haben mehr Glück. Sie landen bei einem Arzt oder Heilpraktiker, evtl. auch einem Geistheiler, der sein „Handwerk“ versteht und wirklich helfen kann. Das ist nämlich gar nicht einfach. Denn es gibt fundamentale Unterschiede in der schulmedizinischen und der naturheilkundlichen Auffassung von Krankheiten und ihrer Entstehung. Der Schulmediziner sieht im Vordergrund das jeweilige Beschwerdebild, wie oben bereits beschrieben. Die Person, die zu diesem Beschwerdebild gehört, ist erst in zweiter Linie interessant. Die Beschwerden oder Krankheiten werden „bekämpft“ mit allen der modernen Medizin zur Verfügung stehenden Mitteln, auch unter Inkaufnahme von z. T. erheblichen Nebenwirkungen. Der Kampf ist gewonnen, wenn es dem Patienten zumindest vorübergehend besser geht. Die Nebenwirkungen sind das Risiko des Kampfes, die „Narben“. Die Kosten trägt in der Regel die Krankenkasse, d. h. letzten Endes der Beitragszahler.

Der gute Naturheilkundler dagegen sieht zuerst die kranke Person, die Persönlichkeit, bei der aufgrund der individuellen Anlagen und der Lebensweise eine Krankheit aufgetreten ist. Er sucht nach den Schwächen in den Anlagen (Vererbung und sog. Disposition) und den Fehlern in der Lebensführung, die dann zu einer ganz individuellen Krankheit, die in dieser Form nur bei dieser einen Person aufgetreten ist, geführt haben. Da liegen die fundamentalen Unterschiede in der Auffassung der Krankheitsentstehung. Dementsprechend ist auch die Therapie völlig anders. Natürlich sieht er auch, dass der Patient leidet und oft akute Hilfe sucht. Die versucht er ihm auch zu geben mit „Globuli“(also Homöopathie), mit Akupunktur, Neuraltherapie, Blutegeln und vielen anderen Methoden, soweit der Therapeut sie beherrscht. Aber immer unter dem uralten Ärztemotto: „Nihil ne nocere“ (auf deutsch: auf keinen Fall schaden). Er versucht also immer, schädliche Nebenwirkungen zu vermeiden. Er bekämpft die Krankheit nicht, sondern versteht sie als eine Entwicklung, die durch schwache Anlagen, evtl. Gewaltschäden sowie Fehler in der Lebensführung allmählich entstanden ist. Seine Therapie ist meist sanft und trotzdem oft erstaunlich schnell und intensiv wirksam. Leider muss der Patient meist alles selbst zahlen, vor allem, seit im Jahre 2003 die unglückselige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in Zusammenarbeit mit dem derzeitigen bayrischen Ministerpräsidenten Seehofer die Kassenerstattung von Naturheilmitteln weitgehend unterbunden hat. Es war die Entscheidung einer „großen Koalition“, auch wenn damals die Grünen an der Macht waren. Aber die wollten diese schwerwiegende Fehlentscheidung auch nicht verhindern. So wird Denken und Handeln in der Naturheilkunde von allen politischen Parteien ignoriert und zum Teil sogar bekämpft, genauso wie von der Schulmedizin.

Wie geht der naturheilkundliche Therapeut vor, nachdem er dem Patienten im Bedarfsfall die schlimmsten Beschwerden genommen hat. Dies habe ich in meinem bereits vorher genannten Buch „Naturheilkunde für Jeden“ ausführlich beschrieben. Er sorgt dafür, dass der Patient seinen gesamten Lebensstil möglichst optimiert: den Schlafplatz, die Ernährung, die Bewegung, den Stressabbau, die psychischen Belastungen. Er vermindert Schwächen im Bereich der Verdauung, stärkt die Entgiftung, verbessert z. B. den Säure-Basen-Haushalt, achtet auf kalte Füße, ein kaltes Gesäß oder einen kalten Bauch, beseitigt sog. „Segmentstörungen“ und vieles andere mehr, je nach seinen Kenntnissen. Sogar die moderne Quantenlehre hat in der Naturheilkunde schon längst Eingang gefunden, während die Schulmedizin immer noch beim „Kampf“ wie vor 100 Jahren ist.

Der „Graben“ ist tief zwischen Schulmedizin und Naturheilkunde und ein Überbrücken des Grabens noch lange nicht in Sicht. Dabei merken viele Schulmediziner inzwischen, dass es so nicht weitergehen kann. Viele Menschen schlucken bis zu 10 verschiedene Medikamente täglich; sie haben oft diverse Operationen hinter sich; das Siechtum ist für sehr viele deutlich sichtbar; die Kosten steigen und steigen und die Zahl der Kranken ebenfalls. Und das ist noch lange nicht das Ende. Die Prognosen der sog. Zukunftsexperten sind z. T. schrecklich.

Aber wir von der Naturheilkunde werden diesen Graben nicht überbrücken, denn wir haben ihn nicht aufgerissen. Wir werden aber allen helfen, die ihn zuschütten wollen. Das dauert noch viele Jahrzehnte, vermutlich mehr als 100 Jahre. Aber es führt kein Weg daran vorbei, wenn die Menschen nicht im Gesundheitschaos enden wollen. Irgendwann muss die Vernunft siegen über die Bequemlichkeit, die Gedankenlosigkeit und den Kampf.

Naturheilkunde bedeutet: zurück zur Harmonie; mit sanfter Hand Fehler korrigieren; grobe Eingriffe nur durchführen, um Gefahren abzuwenden; die Eigen-Abwehrkräfte stärken; die Eigenverantwortung stärken; Körper, Geist und Seele die beste Entwicklungsmöglichkeit zugestehen; dem Menschen mit Liebe begegnen und ihm helfen, seine Fehler selbst zu sehen und zu beseitigen; usw. usw. Zu diesem Thema sind schon viele Bücher erschienen und vermutlich werden noch mehr dazu geschrieben werden.

Beide „Zwillinge“ in dieser Medizin haben ihre Daseinsberechtigung. Keine darf die andere dominieren und keine sich unter Druck gesetzt fühlen. Beide sind gleichberechtigt. Auf einer Medaille sieht man immer nur eine Seite. Um die andere Seite auch zu sehen, muss man die andere Seite sehen wollen. Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Zwei Gegensätze, die erst das Ganze ausmachen wie Yin und Yang, Mann und Frau, Tag und Nacht, warm und kalt usw. Aus diesen zwei Teilen entsteht das neue Dritte, wie ein neues Kind aus Mann und Frau. So hoffe ich auch auf eine neue Medizin durch die Verbindung von altem und neuem Wissen, von Naturheilkunde und moderner Schulmedizin. Aber das kann nur stattfinden bei gegenseitigem Respekt und der Anerkennung der Gleichwertigkeit, wie bei einer Medaille (ist die Zahl etwa mehr wert als der Adler?). An dieser Zukunftsvision sollten wir alle ständig arbeiten. Dann wird es allmählich auch im Gesundheitswesen besser werden.

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